Das bin ich
Ich wurde 1973 in Leningrad – dem heutigen Sankt Petersburg, der Kulturhauptstadt Russlands – in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Die Kunst wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt.
Doch schon im Kindergarten konfrontierte ich meine Eltern mit einer kritischen Frage: „Was ist das denn für ein Beruf – Künstler zu sein?! Die Eltern von Lena und Mascha sind Verkäuferinnen oder Busfahrer. Das ist toll!“ Als Kind konnte ich sofort verstehen, dass die Welt viele verschiedene Berufe braucht – Bäcker, Ärzte, Handwerker. Berufe, auf die man stolz sein kann, weil sie greifbar und nützlich sind. Aber Künstler? Wer braucht das schon und kann man ohne Kunst überhaupt leben?
Heute weiß ich: Wahrscheinlich bin ich (fast ganz freiwillig) selbst Künstlerin geworden, um genau diese Fragen zu beantworten.
Den ersten Impuls in Richtung meiner kreativen Laufbahn habe ich natürlich von meinen Eltern bekommen. Dafür bin ich beiden unendlich dankbar. Sie haben mich auf eine ganz besondere Lebensmission geschickt: Ich darf nach dem suchen, was uns Menschen schon immer bewegt, inspiriert, glücklich oder neugierig gemacht hat – und manchmal sogar unsterblich.
Ein schönes Beispiel dafür ist der Kaufmann Hans van Reesen: Im Alter von 29 Jahren wurde er von Albrecht Dürer in Antwerpen porträtiert. Nur wenige Monate später verstarb van Reesen. Doch sein Gesicht und sein Wesen bleiben dank Dürers Genialität für immer in der Kunstgeschichte lebendig.
Genau das fasziniert mich an meiner Arbeit: Momente, Geschichten und Emotionen einzufangen und sie für die Ewigkeit sichtbar zu machen.








